Bildung auf Bestellung

Morgen tagen gleich zwei Ausschüsse gemeinsam. Das kommt wirklich selten vor im Rat der Gemeinde Ganderkesee. Es geht um die Stelle, die der bisherige Leiter Rolf Schütze altersbedingt freimacht. Eigentlich ein normaler Vorgang und es wäre dazu nicht eine gemeinsame Sitzung der Ausschüsse für Bildung und Kultur sowie für Wirtschaft und Finanzen nötig, zumal ausdrücklich in der Vorlage steht: Finanzielle Auswirkungen: keine.

Was also geht hier vor? Erklären kann ich es auch nicht, wenn ich auch zugeben muss, dass mir da so einige Gedanken durch den Kopf gehen. Aber die lass ich lieber drin.

Eines ist klar: Der Wechsel an der Spitze der VHS ist ein Einschnitt. Dieser Einschnitt sollte durchaus genutzt werden, sich über die zukünftige Ausrichtung der VHS Gedanken zu machen. Sie ist immerhin eine große Bildungseinrichtung, die nicht nur durch die Kooperation mit Hude und Harpstedt weit über die Grenzen Ganderkesees hinaus ausstrahlt.

Morgen soll also über die VHS geredet werden. Interessant ist der Aufbau der Beschlussvorlage der Verwaltung. Ganz am Ende steht, dass das Leitbild überarbeitet werden soll (Antrag der SPD). Kurz davor wird darauf hingewiesen, dass der neue Leiter bei der Gestaltung der neuen Rechtsform miteinbezogen werden soll. Und davor wiederum steht, dass die CDU ein Zusammengehen mit dem Kommunalservice Nordwest (KSNW) geprüft haben möchte, was die Verwaltung schon mal mit dem Leiter des KSNW besprochen hat. Der hat schon mal grünes Licht gegeben. Ist es Zufall, dass heute 15.März im Delmenhorster Kurier ein Interview mit Herr Nordhausen – Geschäftsführer des KSNW – zu finden ist, in dem er genau das Vorgehen in dieser Frage fordert, wie es die Verwaltungsvorlage beschreibt? Aber das nur nebenbei.

Ja dann ist ja eigentlich alles geklärt. Oder nicht?

Mir scheint, hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Erst klär ich wie ich die VHS organisiere, dann rede ich darüber, wer das machen soll, und ganz zum Schluss, ja dann kann man noch mal ein bisschen über das Leitbild reden. Das machen wir dann aber in einer anderen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung. Inhalte spielen überhaupt keine Rolle mehr. Ist das wirklich so?

Ich bitte um Entschuldigung, aber ich bin Pädagoge. Und ein solcher redet bei einer Bildungseinrichtung erstmal über Ziele und Zielgruppen. Welche Bildungsangebote sollen für wen gemacht werden? Über viele Angebote im Semesterplan der VHS muss man nicht reden. Kreatives, Sprachen, berufliche Bildung, Gesundheit gehören sicher jedes Jahr wieder dazu. Aber steht die VHS nicht auch vor der Herausforderung, vor der die ganze Gesellschaft steht: Nach innen und außen die Werte unseres Grundgesetzes zu vermitteln? Muss nicht angesichts der Aufgabe: Integration von Flüchtlingen daran gearbeitet werden, diesen die Grundrechte zu erklären? Muss nicht gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass auch die „eingeborene“ Bevölkerung diese Grundrechte und unsere Form von Demokratie neu zu schätzen und zu verteidigen lernt.

Steht sie oder steht sie nicht?

BildaufBestellung
Auszug aus dem Leitbild der VHS: Jeder kann bestellen. Der Gemeinderat auch?

Die VHS steht nicht vor dieser Herausforderung. Jedenfalls nicht von selbst und davon steht nichts im Leitbild. Jemand muss sie vor diese Herausforderung stellen! Und das kann nur der Gemeinderat entscheiden. Er bezahlt ja schließlich die Bildung, die er bestellt.

Und ich komme aus Ganderkesee und möchte, dass die VHS Ganderkesee Angebote für Menschen aus Ganderkesee macht. Und nicht so viele Sprachkurse in Oldenburg. Es ist eine Meinung, die sicher nicht unwidersprochen bleibt, weil hierzu sicher viele Meinungen gibt. Und auch deshalb sollte der Gemeinderat beschließen, was wo zu tun ist.

Es ist gut und richtig, dass die Mitarbeiter der VHS sich den Herausforderungen stellen, die sie sehen. Das müssen sie auch. Denn niemand gibt ihnen etwas vor. Wer die Zeche zahlt, ist klar. Der Steruerzahler bzw. die Gemeinde. Aber ob er auch das bekommt, was er wollte?

Es bleibt dem Gemeinderat und seinen Ausschüssen nichts anderes übrig, als zu sagen, was sie haben wollen und was sie dafür zu zahlen bereit sind.

Jede Organisation klärt erst die Frage: Was machen wir? Dann wird entschieden, wie wir das organisieren und erst zum Schluss kann ich die Stelle ausschreiben, weil ich dann erst beschreiben kann, was ich von Bewerberinnen und Bewerbern erwarte.

Sonst macht der neue Leiter bzw. die neue Leiterin, was er/sie will.

Herzlichst

Ulf Moritz

https://ganderkesee.ratsinfomanagement.net/termine

https://www.regiovhs.de/das-leitbild-der-regiovhs

http://www.weser-kurier.de/region/delmenhorster-kurier_artikel,-Verwaltung-VHS-Leitung-schnell-besetzen-_arid,1335044.html

3 Gedanken zu „Bildung auf Bestellung“

  1. Das Prinzip ist klar, wenn etwas Neues geschaffen werden soll:
    Zunächst die Ziele, was soll geliefert oder erreicht werde?
    Dann die Organisation, wie soll das gemacht werden?
    Abschließend dann die Stellenbesetzung mit den geeigneten Personen.
    Aber hier haben wir es nicht mit etwas ganz Neuem zu tun, sondern mit einer sehr gut funktionierenden Organisation (regioVHS), die eine neue Leitung braucht und bei der Gelegenheit überprüft werden soll, ob die Organisation einer Veränderung bedarf und ob noch alle Aufgaben der VHS ausreichend beschrieben sind?
    Also aus meiner Sicht sind, nach der Neubesetzung, der im Wesentlichen schon bekannten Aufgaben dieser Stelle, zusammen mit der neuen Leitung die Organisation zu diskutieren und evtl. zusätzliche Aufgaben zu definieren.

    1. Hallo Werner,
      Etwas, was seit Jahren läuft, muss man gelegentlich überprüfen. Daher heute Abend auch der Bericht an Hand der Kosten-Leistungsrechnung, was macht die VHS, was kostet welcher Bereich, was berufliche Bidlung, was Kultur der erlesenen Art. Diese Transparenz gab es ja gar nicht vorher. Mit den Zahlen in der Hand kann man sagen, was weitergehen, was ausgebaut werden soll und was nicht. Und das sollte sich meiner Meinung nach die Politik nicht aus der Hand nehmen lassen. Das wäre mal eine spannende Diskussion, denn bekanntermaßen sind die bildungspolitischen Ziele von CDU und SPD stellenweise doch ein bisschen verschieden. Hier werden Schwerpunkte gesetzt und mit Steuermitteln bezahlt. Und die vom Rat gesetzten Schwerpunkte hat eine neue Leitung umzusetzen.
      Herzlichst
      Ulf Moritz

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