Denk daran, schaff Vorrat an

Die Aktion Eichhörnchen von 1961 feiert ihre Wiederauferstehung!

Da liest man dieser Tage in allen Zeitungen, dass die Bundesregierung angesichts der allgemeinen Gefährdungslage empfiehlt, Vorräte für den Notfall anzulegen.

„Pro Person sollten demnach 28 Liter Getränke eingelagert werden. Die empfohlene Lebensmittelliste pro Person setzt sich aus folgenden Nahrungsmittelgruppen und Mengenangaben zusammen:

  • Getreide, Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis (zusammengenommen 4,9 Kilo),
  • Gemüse und Hülsenfrüchte (am besten eingekocht oder Konserven, 5,6 Kilo)
  • Milch und Milchprodukte (3,7 Kilo)
  • Obst und Nüsse (3,6 Kilo)
  • Fisch, Fleisch, Eier oder länger haltbares Volleipulver (2,1 Kilo)
  • Fette und Öle 0,5 Kilo.
  • Andere Dinge wie Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Mehl oder Ravioli sollen „nach Belieben“ eingelagert werden“.(zitiert aus Spiegel Online)

Unterstellen wir mal, dass das hier kein Wahlkampfgeplänkel ist, sondern dass diese Vorschläge aus ehrlicher Sorge um das Wohl der Menschen in Deutschland erwachsen sei. Dann graust mir noch mehr.

Titelseite des Ratgebers für Katastrophen
Titelseite des Ratgebers für Katastrophen

Man schaue sich die Liste mal genau an. Und dann blicke man in seine „Vorratsräume“, so man welche hat. Ist da noch Platz? Ach der geneigte Leser wohnt in einer Mietwohnung und hat gar keinen Vorratsraum? Dann hat er eben Pech gehabt. Er wird im Katastrophenfall verhungern oder verdursten. Denn Vorsorge nach diesem Konzept ist Privatsache.

Ebenso gehen die Menschen dem Untergang entgegen, die sich diese Vorratshaltung nicht leisten können, weil sie Harz 4 oder eine andere Sozialleistung vom Staat zum Überleben erhalten. Ein Budget für Vorratshaltung ist in dem Grundbetrag nicht enthalten.

Zusammengefasst: Für diese Art von Vorsorge benötigt man Platz, man muss es finanzieren und man muss es auch ständig bewirtschaften können, da auch eine Konserve, aber erst recht Fleisch und Fisch eine begrenzte Haltbarkeit haben. Und die Tiefkühltruhe funktioniert im Katastrophenfall auch nicht! Kein Strom!

Die Aktion Eichhörnchen der sechziger Jahre hat nicht funktioniert. Das kann man in Wikipedia nachlesen: „Trotz eines erheblichen Werbeaufwands (Ausgaben in den ersten drei Jahren jeweils zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Mark), bei dem das Eichhörnchen als Namensgeber und Symboltier der Aktion eine zentrale Rolle spielte, blieben die Aufrufe weitgehend ohne Wirkung. Der zentrale Slogan „Denke dran, schaff Vorrat an“ verfehlte seine Wirkung. 1964 verfügten nach Angaben des Ernährungsministeriums nur zwei bis drei Prozent der Haushalte über Vorräte, die seinen Vorgaben entsprachen.

Jetzt noch mal das gleiche System aufbauen zu wollen, grenzt an Zynismus. Man nimmt bewusst in Kauf, dass bei diesem System die Mehrheit der Bevölkerung eben nicht überlebt.

Und was heißt das für Ganderkesee?

Nehmen wir die Warnungen ernst und wollen wir, dass nicht nur eine begüterte, aufgeklärte und finanziell gut aufgestellte Gruppe die an die Wand gemalte Katastrophe überlebt, dann müssen wir in Ganderkesee eine Bevorratung für den Ort einrichten. Klingt verrückt, wäre aber konsequent.

Lagerinhalt wäre die Empfehlung des Bundes mal 30.000 Einwohner:

Getreide, Getreideprodukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis                                               147.000 kg
Gemüse und Hülsenfrüchte      168.000kg
Milch und Milchprodukte         111.000 kg
Obst und Nüsse                          108.000 kg
Fisch, Fleisch, Eier oder länger haltbares Volleipulver
63.000 kg
Fette und Öle 0,5 Kilo.              15.000 kg
28 Liter Wasser                        84.000 Liter

Ich weiß nicht, wie groß das Lager sein muss, um diese Mengen zu lagern und zu bewirtschaften. Das THW oder der Katastrophenzug des DRK werden hier sicher helfen können. Ich glaube nur, dass es ein erheblicher Aufwand für Einkauf, Lagerhaltung und Verwertung nach Ablauf der Haltbarkeit werden wird.

Aber wie gesagt: Wenn das alles kein Wahlkampfgetöse ist, müssen wir es ernst nehmen. Und wenn nicht nur einige Wenige überleben sollen, dann wäre es eine Aufgabe der Gemeinde (und des Landkreises) hier Vorsorge für alle zu treffen.

Ist das wirklich alles ernst zu nehmen?

Herzlichst

Ulf Moritz

 

 

PS: eigentlich wollte ich eine Satire zu dem Thema schreiben, aber das wäre ein Spiel mit den Ängsten der Menschen geworden. So habe ich auf den Rat einer klugen Frau hin die Satire lieber Satire sein gelassen.

 

Die Checkliste des Bundesamtes
http://www.bbk.bund.de/DE/Ratgeber/VorsorgefuerdenKat-fall/VorsorgefuerdenKat-fall.html

Logo BKK
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http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/zivilschutz-die-fakten-zum-neuen-konzept-der-bundesregierung-a-1108866.html

Aktion Eichhörnchen: https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_Eichh%C3%B6rnchen

 

 

 

 

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