Die Weihnachtsgeschichte – Perspektivwechsel

Erstmal: was war eigentlich los?

Ich lass mal die Zeugungsgeschichte aus. Nur so viel: Es wurde eine Jungfrau geschwängert. Maria war zwar verlobt, aber ihr zukünftiger Ehemann hatte nichts mit der Schwangerschaft zu tun. Es ist schon ein merkwürdiger Start ins Leben im sittenstrengen Judäa. Aber sehen wir mal weiter. Die eigentliche Weihnachtsgeschichte beginnt ja mit den Zeilen: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt werde. Eine Volkszählung wurde einfach so von der Obrigkeit angesetzt. Und der Datenschutz? Konnte es sein, dass jeder sich registrieren lassen musste und das auch noch an seinem Geburtsort, ohne zu wissen, was mit seinen Daten geschehen sollte, ohne das er einen Reiskostenersatz bekäme. Von Anonymisierung der Daten bei der Auswertung ist auch nirgends die Rede.

Auch die Unterbringung während der Reise war nicht organisiert. Dennoch machte sich Joseph mit seiner Verlobten Maria auf den Weg nach Bethlehem. Maria war ja nun schwanger. Aber man merke auf: Verlobte hatten schon mit dem zukünftigen Ehemann zur Volkszählung zu gehen. Der Besitzerwechsel hatte schon mit der Verlobung stattgefunden. (10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.)

Allen Widrigkeiten zum Trotz zogen sie also los und kamen auch gut in Bethlehem an. Es gab jedoch kein freies Zimmer, kein Zelt, nicht mal ein ordentliches Bett. Wie gesagt: Nichts war organisiert. Aber zu guter Letzt fanden sie doch noch einen Stall. Und dann ging die Geburt los. Die anstrengende Reise auf dem schwankenden Esel hatte die Wehen ausgelöst. Keine Hebamme, kein Arzt, keine Hilfe. Eine Geburt, einfach so. Aber was soll man erwarten: Maria hatte ja nicht mal einen Mutterpass mit allen notwendigen Eintragungen über die erfolgten Untersuchungen. Über multiresistente Keine machte man sich auch noch keine Gedanken. Sie bekam also ihr Kind, wickelte es in Windeln und legte es in eine Futterkrippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Sie waren ganz allein auf sich gestellt, die himmlischen Heerscharen haben ihnen nicht geholfen. Jedenfalls hat Lukas das nicht erwähnt.

Bethlehem
Bethlehem

Die himmlischen Heerscharen müssen aber einiges mitbekommen haben, denn sie trugen die Nachricht gleich weiter. Nicht überliefert ist, ob das Joseph und Maria recht war. Aber die wurden bei dieser Geschichte bestenfalls informiert und zu keinem Zeitpunkt gefragt, ob sie mit irgendetwas einverstanden wären. Der Datenschutz war also damals schon auf Facebook – Niveau. Die Nachricht von der Geburt sollte in Welt getragen werden. Also Trompetenschall über Bethlehem oder dem gar nicht so weit entfernten Jerusalem? Nein. Es war mitten in der Nacht! Verkündung sollte sein, aber Ruhestörung nicht.

Es waren nur die Hirten auf dem Feld noch wach. Mussten sie ja sein, denn sie mussten die Schafe ihres Herren vor den wilden Tieren bewachen. Wahrscheinlich lief dort in Judäa gerade ein Ansiedlungsprogramm für Wölfe. Nun, jedenfalls hat der Engel sein Kommen nicht angekündigt, sondern hat die Hirten erstmal erschreckt, glaubten sie doch, da käme der Büttel vom Chef, um sie zu kontrollieren. Ihr Betriebsrat hatte durchgesetzt, dass es unangekündigte Arbeitsplatzkontrollen nicht geben sollte. Und nun sowas. Aber der Engel sprach. „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch große Freude“. Damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen könnte, etwa dass sie eine Sonderzahlung für gute Arbeit vom Chef erhielten (Weihnachtsgeld gab es erst ab dem nächsten Jahr!), fügte er schnell hinzu: „die allem Volke widerfahren wird“. Und dann erzählte er von der Geburt. Die Hirten müssen trotz der frohen Botschaft irgendwie immer noch skeptisch gekuckt haben. So holte der Engel die himmlischen Heerscharen zur Verstärkung. Na dann muss ja wohl was dran sein. Gehen wir doch mal hin und schauen nach. Glauben ist eben nicht Wissen. So wurde schnell noch eine Notwache für die Schafe organisiert (die himmlischen Heerscharen wollten das nicht übernehmen) und sie gingen los. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Ich hoffe nur, dass sie genug Abstand gehalten haben, da sie direkt vom Feld und den Tieren kamen, um das Kind nicht mit ihrem Keimen zu infizieren. Dann hatten sie genug gesehen und zogen in die Welt um die Botschaft zu verkünden. Damals war es anscheinend selbstverständlich, dass jeder, der was mitgekriegt hatte, dass auch gleich weitererzählt hat. Allerdings muss ich zur Ehrenrettung der Hirten einräumen, dass sie erst kontrolliert haben, ob die Botschaft keine Fake ist, bevor sie diese „geliked“ und „geteilt“ haben.

Ja so war das damals.

Heute wäre die Geschichte sowieso unmöglich. Eine ohne ihr Wissen geschwängerte Frau, da wäre schon Gott der Prozess gemacht worden und nicht erst seinem Sohn. Ob Maria das ungewollte Kind überhaupt behalten hätte, ist ebenfalls ungewiss. Und wenn sie es behalten hätte, dann wären Maria und Joseph zu Hause geblieben, weil wegen der vielen Einsprüche der Bürger die Volkszählung verschoben worden wäre. Hätten dann die himmlischen Heerscharen noch die Hirten auf dem Felde erreicht? Man weiß es nicht. Aber in die Geburtsklinik wären sie jedenfalls nicht reingekommen – fremde Menschen direkt vom Feld. Geht gar nicht. Sein wir also froh, dass die Geschichte schon so lange her ist. Sonst hätten wir heute kein Weihnachtsfest!

Weihnachtsmann
Frohe Weihnachten

Herzlichst

Ulf Moritz

 

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