Deutsche Rentenversicherung

Drei Dinge, die mich an der Rentendiskussion aufregen

Ja es gibt Rentner, denen geht es gut. Um einen zu sehen, muss ich nur in den Spiegel gucken. Ich hatte das Glück, studieren zu können. Ich hatte das Glück, nicht einen Tag arbeitslos gewesen zu sein. Ich hatte das Glück in einem Betrieb zur arbeiten (Gemeinde Ganderkesee), in dem es eine tariflich abgesicherte betriebliche Altersversorgung zusätzlich zur gesetzlichen Rente gibt. Und zu guter Letzt habe ich so gut verdient, dass ich es mir im beschränkten Umfange leisten konnte zu „riestern“. Und alles zusammen ergibt nun eine Rente, von der ich gut leben kann, auch wenn ich davon Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen  und die Rente zum großen Teil auch versteuern muss.

Also drei Gründe, die mich im Alter gut dastehen lassen. Wenn nur einer davon weggefallen wäre, dann wäre manches anders.

Kürzlich erzählte mir eine Frau, die selbst rund ein Jahr vor Rentenbeginn war, dass sie alles zusammengenommen nur eine Rente von 950 Euro bekommen würde. Das hatte sie sich von der Rentenberatung ausrechnen lassen. Auch sie hatte ihr ganzes Leben hindurch Vollzeit gearbeitet. Sie hatte nur den falschen Beruf: Friseurin. Da verdient man nicht viel, also wird die Rente auch nicht so hoch. Das arbeitet man in kleinen Betrieben, da gibt es keine betriebliche Altersversorgung. Und privat etwas zurücklegen? Das geht bei einem so kleinen Gehalt auch nicht. Pech gehabt.

Also muss man damit auskommen und es ist ja auch nicht die schlechteste Rente.

Wer aber einen nur geringen Verdienst und zudem noch Zeiten der Arbeitslosigkeit ertragen musste, steht natürlich noch schlechter da und muss eventuell zum Sozialamt: Grundsicherung wegen Alters sollte jeder beantragen, der weniger als 789 Euro hat – so rät jedenfalls die „Deutsche Rentenversicherung“.

Der erste Punkt, der mich an den Renten ärgert, ist der: Die Renten der Geringverdiener sind zu gering. Und wenn das Rentenniveau noch weiter abgesenkt werden wird, dann sieht es für diese Menschen ganz finster aus.

Der zweite Punkt ist der, dass der öffentliche Dienst, auch die Gemeinde Ganderkesee, viele Aufgaben an Private verlagert. Das wird nicht getan, weil die Privaten besser wären, sondern weil sie billiger sind. So zum Beispiel im Reinigungsdienst in den Kindertagesstätten und in den Schulen. Fragt jetzt noch jemand, warum im Rathaus keine privaten Firmen reinigen? Hier geht es halt nicht um billiger sondern um Qualität. Hätt man fast selbst drauf kommen können.

Aber was meckere ich? Die privaten Firmen zahlen doch auch nach Tarif und der liegt noch über dem Mindestlohn.

Ja aber wie lange kann man dort arbeiten? Die Verträge zwischen Gemeinde und Reinigungsfirma haben in der Regel eine Laufzeit von 5 Jahren und dann wird neu ausgeschrieben. Die Frauen verlieren ihren Job. Eine neue Firma kommt und übernimmt auch die besten und gesundesten Kräfte der alten Firma. Wer aber alt ist, hat keine Chance mehr, übernommen zu werden und muss sehen, wie er aus der Arbeitslosigkeit wieder herauskommt.

Damit fördert die Gemeinde Ganderkesee indirekt, dass (mal wieder Frauen) nicht kontinuierlich arbeiten können und von Altersarmut bedroht sind.

Das ist nur ein Beispiel. Der Verkauf des Altenheimes in Immer ist ein anderes.

Die Renten sind also nicht nur ein Thema, das ferne Politiker in Berlin angeht sondern eines, welches in die konkreten Entscheidungen hier vor Ort hineinreicht.

Und das Dritte, was mich ärgert, ist die Presse vor Ort. Hat doch die SPD in Ganderkesee Anfang Mai einen Antrag zum Thema Renten beschlossen. Der Antrag richtet sich natürlich an die übergeordneten Gremien der  SPD, basiert aber auf den Diskussionen der Menschen vor Ort und wurde daher auch an die örtlichen Zeitungen gegeben. Keine Reaktion. Eigentlich berichten die über alles – aber hier: Nichts. Nachgefragt, warum dieser Antrag nicht in der Presse erwähnt wurde, kam die Antwort: Das hat nichts mit Ganderkesee zu tun.

Eine erstaunliche Antwort. Hat doch die NWZ kürzlich mehrfach über den Verfall des Milchpreises geschrieben. Und dazu hat sie auf der Ganderkeseer Seite Milchbauern aus Ganderkesee befragt. Ich finde das gut. Ein allgemeines Thema bekommt ein persönliches Gesicht. Wenn das bei den Milchpreisen geht, die sicher nicht in Ganderkesee entschieden werden, warum nicht bei den Rentnern?

Macht die „vierte Gewalt“ jetzt direkt Politik?

Herzlichst

Ulf Moritz

 

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232620/publicationFile/54129/grundsicherung_hilfe_fuer_rentner.pdf

http://www.spd-ganderkesee.de/aktuell/nachrichten-ihrer-spd/2016/475506.php

http://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/wirtschaft/milchbauern-wollen_a_31,0,436538576.html

 

 

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