Eigentlich ist doch nichts gewesen!

ParagrafenVor ein paar Tagen schrieb ich einen Beitrag über die Betrügereien beim DRK Rettungsdienst und das Thema Verantwortung übernehmen. Inzwischen hat jetzt der Landkreis Oldenburg den Vertrag mit dem DRK gekündigt, durch den das DRK mit der Durchführung des Rettungsdienstes beauftragt ist. Der Grund ist bekanntermaßen, dass über Jahre bei den Abrechnungen betrogen und dadurch das Vertrauen in diese Organisation zerstört worden ist. Es geht immerhin um bis zu 500.000 Euro. Die NWZ hat heute auf der Seite 47 –Wildeshausen/Dötlingen ein Interview mit dem Vorsitzenden des Kreisverbandes Gerold Sprung sowie Frau Schreiber und Frau Hanken geführt.  Was da zu Tage kam, war schon erstaunlich: Aber das ist doch kein Betrug, wenn sich niemand persönlich bereichert hat, sagt Herr Sprung.(Wörtlich laut NWZ: „Aber hier geht es nicht um Betrügereien oder persönliche Bereicherungen“) Schuld ist der inzwischen gefeuerte Geschäftsführer und wir haben doch einen guten Plan für die Zukunft, sagt Herr Sprung. Wir werden auch alles zurückzahlen, sagt Herr Sprung. Damit ist doch alles gut. Oder nicht?  Mir kommen da einige Fragen:

  • Hat niemand anders als der Geschäftsführer mitgewirkt oder davon gewusst? Die Betrügereien sollen immerhin seit 2011 gelaufen sein.
  • Gibt es beim DRK keine Revision?
  • Hat der Vorstand des DRK keine Ahnung gehabt von dem, was im DRK läuft?
  • Trägt der Vorstand Verantwortung?

Und vor allem: welches Rechtsverständnis hat Herr Sprung, wenn er einen Abrechnungsbetrug unter seiner Führung als „Es hat sich ja niemand privat die Taschen gefüllt“ bezeichnet. Hätte er solche Vorgänge als früherer Bürgermeister von Ganderkesee auch so bewertet, wenn ein Vertragspartner der Gemeinde so betrügt? Übrigens ist Otto Graf Lambsdorff in der berühmten Flick Affäre wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, obwohl er sich nicht persönlich bereichert hat.

Da gibt Herr Sprung ein großes Interview in der NWZ. Er weist darauf hin, was alles gefährdet ist, wenn der Rettungsdienst als tragende Säule wegfällt. Ich vermisse ein Wort des Bedauerns, eine öffentliche Entschuldigung bei dem betrogenen Landkreis und bei den Mitgliedern des DRK. Ich vermisse die Übernahme von Verantwortung für die Vorfälle im Kreisverband, den er schon so lange führt.

Herzlichst

Ulf Moritz

 

 

http://www.noz.de/lokales-dk/ganderkesee/artikel/728868/heisser-streit-um-rettungsdienst-im-landkreis-oldenburg

Der Artikel mit dem Interview ist leider nicht online: NWZ vom 15.6.16 Seite 47

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Graf_Lambsdorff#Flick-Aff.C3.A4re_und_Steuerhinterziehung

http://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/wirtschaft/landkreis-zeigt-rotem-kreuz-rote-karte_a_31,0,1366387170.html

http://ulf-moritz.net/das-drk-und-die-verantwortung/

 

3 Gedanken zu „Eigentlich ist doch nichts gewesen!“

  1. Die Revisionsordnung der DRK Landesverbandes Oldenburg wurde 2009 beschlossen. Geregelt ist darin insbesondere die interne Revision für die untergeordneten Kreisverbände. Niedergeschrieben ist nur leider noch nicht gelebt…

  2. Laut NWZ vom 16.6. legt Herr Sprung Wert auf eine Korrektur in dem Interview des Vortages. Es muss heißen: „Es gab offensichtlich Betrügereien, die aber noch nicht abschließend aufgeklärt sind.“ Da entsteht doch die Frage: Auf welcher Grundlage ist dann der Geschäftsführer vor einem halben Jahr entlassen worden?
    Ulf Moritz

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