Heinrich Heine 1843

Heinrich Heine und das Verkehrskonzept

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, geben wir es doch zu: uns ist nicht zu trauen. Wenn wir was hören oder lesen, verstehen wir es falsch. Und dann schreiben wir es noch auf: in der Zeitung, bei Facebook, im Blog. Da war es früher doch einfacher:

„Gedankenfreiheit genoss das Volk,
Sie war für die großen Massen,
Beschränkung traf nur die g’ringe Zahl
Derjen’gen, die drucken lassen.“

(Heinrich Heine – Deutschland. Ein Wintermärchen – Kapitel 26) Heute kann jeder drucken, schreiben, posten. Niemand kontrolliert das, was da produziert wird. Und sein wir mal ehrlich, da ist doch viel Unsinn dabei. Oder nicht?

Ja, was wundert es uns dann, wenn die Ergebnisse der Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsentwicklungskonzept nicht einfach so ins Internet gestellt werden können. Erinnern wir uns: In der Sitzung des Ausschusses für Straßen und Verkehr am Mittwoch, den 01.06.2016, wurde ein Sachstandbericht zur Konzeptentwicklung gegeben. Im Protokoll der Sitzung wurde festgehalten:

Voraussichtlich Mitte Juli 2016 werden die aufbereiteten Daten auf der Homepage der Gemeinde Ganderkesee für jedermann einsehbar sein. Dann könnten auch Anmerkungen, Anregungen, Kritik oder Vorschläge zu den einzelnen Themenbereichen eingegeben bzw. vorgetragen werden.“

Ich habe mich im Juli mal erkundigt, wann ich die aufbereiteten Daten zu sehen bekäme. Die Antwort aus der Pressestelle der Gemeinde per E-Mail am 14.7.: „Ich habe nachgefragt und die Antwort erhalten, dass das Verkehrsentwicklungskonzept voraussichtlich Ende Juli veröffentlicht werden soll. Derzeit werden noch einige Überarbeitungen vorgenommen.“

Diese Antwort erhielten auch andere, die telefonisch nachfragten, und man sagte ihnen sinngemäß, dass die Daten schon vorlägen und sie jetzt telefonisch auch schon Antworten auf ihre Fragen erhalten könnten. Aber ansonsten müssten sie sich bis Ende Juli gedulden. Es müssten noch Abstimmungen erfolgen.

Also Abstimmungen müssen erfolgen. Überarbeitungen müssen vorgenommen werden. Und das geht ja nicht, wenn Bürgermeisterin und allgemeiner Vertreter im Urlaub sind. Also Ende Juli. Heute ist Ende Juli, und was ist im Netz zu finden? Nichts.

Wahrscheinlich sind noch nicht die richtigen Formulierungen gefunden worden, „womit man einlullt, wenn es greint, das Volk, den großen Lümmel“, um noch mal auf Heinrich Heines Wintermärchen (diesmal Kapitel 2) zurückzukommen.  (Geschrieben 1844!)

Also halten wir fest:

Termin 1 – Mitte Juli – und Termin 2 – Ende Juli – wurden beide nicht eingehalten. Begründung: Die aufbereiteten Daten müssen noch überarbeitet werden.

Interpretation: lieber nicht.

Gedulden wir uns also, bis Formulierungen gefunden wurden, die wir auch verstehen. Vergessen die Aussage von Herrn Dr. Schwerdhelm in der Sitzung, dass es natürlich so sein wird, dass einige Daten falsch oder nicht vollständig seien und er ausdrücklich um die Mithilfe der Einwohner Ganderkesees bitte, diese Fehler auszumerzen. Nein, man muss es für uns passend machen. Sonst drucken wir einfach unsere dumme Meinung dazu, was man uns heute (leider) nicht mehr verbieten kann. Ach, was war das Kaiserreich doch schön.

Mein Anspruch ist ein anderer, im Privaten wie in der Politik: ich möchte die unbearbeitete Bestandsaufnahme sehen und meine eigene Meinung zu bilden. Und dies muss auch jedem anderen ermöglicht werden.  Wir sind im Jahre 2016 und nicht 1844! Was dann daraus wird, ist wieder ein demokratischer Prozess und hat sicher auch mit Kompromissen zu tun. Das ist ok und so soll(te) es sein.

Herzlichst

Ulf Moritz

 

Kleiner Nachtrag: Die in der Sitzung am 1.6.16 in einer Präsentation vorgestellten Daten sollten laut Protokoll der Sitzung als „diesem Protokoll als Anlage 1 beigefügt (wegen des Umfangs nur in SD.Net)“ werden. Ich kann sie nicht finden. Nicht mal die!

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