Nur ein kleiner Eingriff

Nur ein kleiner Eingriff

Es ist ja nicht so, dass man heutzutage einfach in die Klinik gehen könnte. Auch wenn eigentlich alles klar ist, muss man erst einmal einen komplizierten Ablauf verstehen und dann wie bei einer Schnitzeljagd abarbeiten. Sie wissen nicht, wovon ich rede? Dann will ich es mal erzählen.

Wie gesagt, es geht um einen kleinen Eingriff. So klein, dass dieser in der Regel ambulant durchgeführt werden kann und man keine teuren Klinikbetten belegen muss. Da ich mich mit diesem Problem schon länger herumärgerte und meine Hausärztin meine Geschichte schon über Jahre mitverfolgt hatte, war klar, das geht ganz schnell: Überweisung holen, Termin abmachen, fertig. Ich weiß, ich bin manchmal etwas einfältig. Das mit der Hausärztin funktionierte ja auch noch wie immer problemlos. Sie empfahl mir das Kinikum Delmenhorst, ach nein, verbesserte sie sich gleich, das ist ja nun das Josef-Hospital Delmenhorst – Standort Deichhorst. In die Chirurgie. „Aber“ so sprach sie, „ich kann sie nicht direkt dahin überweisen. Sie müssen erst zu einem Internisten und der überweist sie dann in die Chirurgie.“ Ich zweifelte etwas daran, ob ich das richtig verstanden hätte und fragte: „Das muss ich jetzt nicht verstehen?“ „Nein“ antwortete meine geschätzte Hausärztin, „das verstehe ich auch nicht. Aber das ist halt so.“ Na gut. Ich erhielt eine Überweisung an den Facharzt für Inneres.

Ich gehe also nach Hause und als moderner Mensch setze ich mich an den Computer und schaue auf die Website des Josef Hospitals.

Diese präsentiert sich so:

Josef - Hospital Homepage
Josef – Hospital Homepage

 

Na, man kann nicht alles haben. So ein Aufbau einer Notseite ist ja auch schon eine Menge Arbeit. Wenn auch keine umfassenden Infos zu finden sind, so doch rudimentäre Angaben über die wichtigsten Informationen.

Josef-Hospital Bereich der "wichtigsten Informationen"
Josef – Hospital Bereich der „wichtigsten Informationen“

Also suchte ich anordnungsgemäß die Innere Abteilung, finde davon zwei verschiedene, keine Öffnungszeiten – die sind wohl nicht wichtig – aber immerhin eine Telefonnummer. Ich wähle und höre eine freundliche Ansage, dass die Praxis nun geschlossen sei. Aber es folgt noch ein netter Hinweis: „Falls sie in der Mittagszeit anrufen, so sind wir ab 13:00 Uhr wieder für sie da!“ Schön. Es ist 16:00 Uhr. Gibt es auch vormittags eine Möglichkeit sie zu erreichen? Darüber schweigt sich der Apparat aus.

So schnell gebe ich nicht auf. Es gibt ja noch eine zentrale Rufnummer, die 993. Immerhin ist dort keine  Maschine sondern eine hilfsbereite Frau am Apparat, der ich mein Problem erläutere. Sie erklärt mir, dass sie nun auch nicht so genau wisse, wo ich hin müsse. Ich solle aber am nächsten Morgen ab 8:00 die Nummer 04221 99 4103 anrufen. Das war die Nummer mit der Ansage, dass man ab 13:00 wieder für mich da sei. Die würden mir dann sagen können, wo ich genau hinmüsste. Also, heute wird das nichts mehr.

Am nächsten Morgen um 8:10 rief ich also besagte Nummer an, um mir – wiederum sehr freundlich und hilfsbereit – sagen zu lassen. „Hier sind ganz falsch. Sie müssen zur zentralen Ambulanz. Da kann ich aber auch gleich einen Termin machen.“ Also machten wir einen Termin für Mitte März zur Untersuchung. „Und dann gehen sie zu Dr. Lersch. Der tauscht ihnen die Überweisung einfach um. Nehmen sie bitte ihre Versichertenkarte mit!“  Frage: „und den finde ich dann in der Abteilung innere Medizin?“ „Nein der ist nicht hier im Hause. Der ist in der Cramerstraße.“

Also nächste Etappe. Öffnungszeiten schnell im Netz nachgeschaut und hingefahren. Und das sah dann so aus:

Informationsblatt in der Tür zur Praxis Dr. Lersch
Informationsblatt in der Tür zur Praxis Dr. Lersch

Da nützt eine Angabe der Öffnungszeiten im Netz dann auch nichts. Und die Vertretung ist halt eine Hausarztpraxis. Da komme ich doch gerade her. Der darf doch gar nicht das tun, was ich brauche: Eine Überweisung ausschreiben für die Chirurgie. Der ist ja gar nicht qualifiziert genug!

Also wiederkommen, wenn der Facharzt wieder da ist. Das tat ich dann auch. Ging zur freundlichen Frau am Empfangstresen und erläuterte mein Begehr. Sie nahm meine Überweisung und die obligatorische Versicherungskarte entgegen, wieß darauf hin, dass es jetzt einen Moment dauere, und fing an zu tippen. Sie tippte ziemlich viel, der Drucker schnurrte und schon nach zwei Minuten erhielt ich die unterschriebene Überweisung. Alles fertig? Alles fertig.

Kein Arzt hat mich gesehen. Aber unterschrieben vom Facharzt. Das war’s.

Das hätten die Kolleginnen in der Sprechstunde meiner Hausärztin auch gekonnt. Mal schauen, wie es bei dem Termin zur Untersuchung weitergeht. Ich bin gespannt.

Ich wollte doch nur einen kleinen Eingriff machen lassen.

Herzlichst

 

Ulf Moritz

 

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