Die vergessene Generation

In Ganderkesee wird viel getan. Es werden neue Kitas gebaut, Horte und Krippen eingerichtet. Die Schulen werden so gut ausgestattet, dass sogar die Lehrer*innen zufrieden sind, jedenfalls soweit es den Schulträger Ganderkesee betrifft. Baugebiete für Häuslebauer werden ausgewiesen, Dachbegrünung wird gefördert, Alten- und Pflegeheime eröffnen eines nach dem anderen und auch stationäre und ambulante Hospizeinrichtungen stehen hier inzwischen zur Verfügung. Von der Wiege bis zur Bahre – hier lässt es sich leben. Für alle ist gesorgt. Könnte man meinen, wenn man mit den Augen eines inzwischen siebzigjährigen Mannes über unser Gemeinwesen blickt.

Es scheinen aber nicht alle diese Meinung zu teilen. Und die ziehen weg.

Aus dem Demographiebericht Ganderkesee der Bertelsmannstiftung

Das Wanderungsprofil zeigt es deutlich. Ganderkesee verliert die jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Mit Ende 20 kommen dann die jungen Familien hierher, die die kleinen Kinder mitbringen. Sie  bauen hier ihr Häuschen und schicken ihre Kinder in die KiTas. Für sie ist Ganderkesee attraktiv. Und zum Alt werden  geht auch niemand weg. Da gibt es genug gute Einrichtungen und menschliche Begleitung hier vor Ort.

Warum gehen die jungen Menschen? Einige zieht es sicher wegen der Ausbildung in andere Städte. Andere wären sicher gern geblieben, wenn sie hier nur eine Wohnung finden würden, die sie auch bezahlen könnten. Und die fehlen.

Zwei Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, bei denen es anders gelaufen ist.

Eine Kollegin hat geheiratet. Sie aus Delmenhorst , er aus der Gemeinde. Sie ziehen zusammen in eine kleine Wohnung zur Miete. Klein aber gemeinsam in Ganderkesee leben. Dann ist irgendwann der Bausparvertrag fällig und sie bauen – in der Gemeinde Ganderkesee.  Und da leben sie noch heute.

Anderes Beispiel: Eine junge Verwaltungsbeamtin zieht nach Ganderkesee, um hier zu arbeiten. Sie zieht erst in eine Mietwohnung, die sie sich als junge Beamtin leisten konnte. Heute ist sie Bürgermeisterin und hat ein eigenes Haus.

Man sollte sich mal darum kümmern, dass solche Geschichten wieder möglich werden.

Aber wer kümmert sich, wenn es nicht seiner eigenen Interessenlage entspricht? Das Durchschnittsalter der Ratsmitglieder in Ganderkesee liegt bei ungefähr 61 Jahren. Und für uns ist gesorgt. Selbst unsere Kinder sind versorgt und man muss schon die Enkel einhüten, wenn die Kinder nicht weggezogen sind.

Es gibt ein einziges Ratsmitglied unter 40. Marcel Dönike (SPD) ist 30 Jahre alt.

2021 sind wieder Kommunalwahlen. Eine Chance für die Jugend. Hofft nicht darauf, dass die Alten es schon richten werden. Das müsst ihr schon selber tun.

 

Herzlichst

 

Ulf Moritz

 

 

P.S. Meine Unterstützung habt ihr. Aber bewegt euch!

http://ulf-moritz.net/bezahlbare-wohnungen

Link zum Demographiebericht-Ganderkesee  der Bertelsmann Stiftung

Titelbild von  Alexas_Fotos auf Pixabay

Ein Gedanke zu „Die vergessene Generation“

  1. Hi, ich denke, das Ganderkesee/Ort + /Gemeinde viel an Gemeinschaftsprojekten verloren hat bei denen früher die Jugend mit eingebunden wurde und auch die ein und andere Entscheidung selbst treffen durfte. Dies scheint heute leider nicht mehr so! Alles/Nein, vieles was eine Jugend machen möchte, wird durch eine, ich nenne es mal Amtshürde untersagt. Wenn das dann häufiger passiert, fällt das Interesse der Jugend schnell weg sich mit Freunden zu angerieren, und das spricht sich schnell in der benannten Altersgruppe rum!
    Gebt den Jugentlichen mehr Verantwortung/Entscheidungsgewalt, dann schließt sich für mich auch möglicherweise wieder dieser Platz in der Gemeinde.
    Gebt der Jugend bessere Chancen zu zeigen was Sie können, aber bleibt auch mit Rat UND Tat dabei!
    Mögliche Projekte gibt es viel in der Gemeinde und im Ort, wenn wir nicht vor allem gleich ein „Nein, geht nicht“ schieben, sondern erst mal das Gespräch mit der Jugend suchen!
    Gemeinsam wie früher und nicht allein wie heute!
    Entsteht bei Dir jetzt eine Frage, dann frag mich, bin gern bereit Unklarheiten zu klären!
    Liebe Grüße von Mallorca, euer Mathias Welker

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